Historie

Gründung der kontemplativen Psychologie

Ein Begründer der kontemplativen Psychologie ist der tibetische Meditationsmeister und Lehrer Chögyam Trungpa Rinpoche (1939-1987), der ein Wegbereiter bei der Etablierung des Buddhismus im Westen war. Neben Meditationszentren in Europa, USA und Kanada gründete er 1974 auch die Naropa-Universität in Boulder, Colorado, die kontemplative Psychotherapie als Masterstudium lehrt.

Chögyam Trungpa Rinpoche – buddhistische Psychologie

trungpa

Als er anfing im Westen zu lehren, erkannte Chögyam Trungpa schnell, dass die Sprache der Psychologie ein grundlegendes Instrument ist, das ihm erlaubte, die Essenz der buddhistischen Lehre im Westen zu kommunizieren. Er begann in den 1970er Jahren viele Begriffe der westlichen Psychologie in seiner Lehre einzubinden, um diese verständlich zu machen. In einer Zeit, in der das Thema Meditation noch immer sehr traditionell angesehen wurde, benutzte er Begriffe wie „Ego“, „Neurose“, „Angst“, „Depression“ und „unbewusste Denkmuster“, was einen deutlichen Bruch markierte und Chögyam Trungpas buddhistische Lehren wirklich zugänglich machte für den westlichen Menschen.

Working with others is a question of genuineness and projecting that genuineness to others.

Chögyam Trungpa

Naropa Universität

1974 gründete Chögyam Trungpa das Naropa Institut, heute die Naropa Universität, in Boulder, Colorado. Eine Gruppe von Psychiatern, Psychologen und Therapeuten übernimmt die Leitung des Studiengangs „Kontemplative Psychologie“, welche die buddhistische Psychologie mit dem westlichen Ansatz verbindet. Chögyam Trungpa unterhält besonders enge Beziehung mit dem Psychiater Ed Podvoll, der von 1977-1990 Direktor der Abteilung für kontemplative Psychologie an der Naropa Universität wurde.
In enger Zusammenarbeit haben Chögyam Trungpa und Ed Podvoll sowie weitere Naropa Absolventen das sog. Windhorse-Programm geschaffen – ein Programm der kontemplativen Psychologie für die Betreuung von psychotischen Patienten. Die Windhorse-Programme sind seither weiter gewachsen und haben sich auch in Europa etabliert.

Karuna Training

Melissa Moore und Irini Rockwell, beide an der Naropa Universität ausgebildet und aktiv unterrichtend in Nordamerika und Europa, verfolgten zusammen das gemeinsame Interesse, in Europa ein Training in kontemplativer Psychologie einzurichten, das für die konkrete berufliche Tätigkeit in den Bereichen Medizin, Heilkunde und Therapie konzipiert ist. Sie entwickelten das Curriculum auf Basis des Masterprogramms an der Univeristät in Boulder. Elisabeth Fey, Dagmar Niehaus, Gabi Gokert und Angelika Schulz, die eine gemeinsame psychotherapeutische Praxis in Bielefeld unterhielten, wurden das Board. Das erste Training wurde von Melissa Moore, Irini Rockwell, Han de Wit und Paul Cashman durchgeführt. Seit über 10 Jahren nun wird dieses Training unter dem Namen Karuna Training in Europa gelehrt und ausgebildete Fachkräfte arbeiten damit. (Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten, Körpertherapeuten, Soziapädagogen, Lehrer, …).
Sakyong Mipham, Sohn und Nachfolger von Chögyam Trungpa und spiritueller Leiter der Shambhala-buddhistischen Tradition, fördert die Entwicklung von Karuna Training.

Achtsamkeit und Mitgefühl im therapeutischen Kontext

Seit 2008 sind die Forschungsergebnisse zu Nutzen und Wirkung von Achtsamkeit im therapeutischen Kontext geradezu explodiert. Die Arbeit der kontemplativen Psychologie, lange eine kleine isolierte Bewegung, wird zu einem Massenphänomen. Wir freuen uns, dass wir Teil dieser Entwicklung sind und stehen dabei in enger Zusammenarbeit mit der modernen Wissenschaft in den Bereichen von Achtsamkeit und Mitgefühl.